Nüme wiit

das, Nüme [ˈnyːmæ] wiit [ʋiːt]: "Nicht mehr weit" oder "bald", hier auch verwendet als Masseinheit von noch zurückzulegender Strecke.

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Des Jägers Scharfsinn, eine ikonische Formulierung

In den Bergen

Wo Braunbären gähnen und Wölfe schlafen, schlagen wir das Zelt auf. Auf der Suche nach Wasser, in Höhen, die mir den Schweiss auf die Stirn treiben.

In der Slowakei gibt es etwa 41 Prozent Waldfläche in der Wölfe, Bären, Luchse, Eulen und etliches anderes Getier zuhause sind. Während wir unser Abendessen kochen, frage ich mich, als Gast an diesem Ort, hält eine dünne Zeltwand einen Bären ab ? Was schützt mich vor einem Wolf ? Oder sollte ich besser andersrum fragen, was schützt all die Tiere vor uns ? Und wieso schafft die Slowakei, woran Deutschland, Österreich und die Schweiz seit Generationen scheitern ? Ich verräume die Essensreste ins Jägerhäuschen nebenan. Ich fülle meine Wasserflasche am Bach und dusche mich. Ist es besser, nach etwas zu riechen, hält es die Tiere fern oder zieht es sie an ?

Der Wald entblösst seine Mächtigkeit, seine imposante Vielfalt, ich verbeuge mich vor diesen Tannen, den feucht nassen Bachläufen und den Felsen, die wie Zähne aus dem Dickicht ragen. Die steilen Hänge spülen meine Gedanken. Die Alpenrebe wiegt sanft ihre blauviolette Blüte und verzaubert meine Sinne.

Wie vereine ich einerseits meinen Wunsch nach Einsamkeit und Wildheit mit der Angst vor den grossen Tieren dieser Wälder ? Liegt es daran, dass ich mit Katzen, Hunden, maximal Schafen in einer beschaulichen Gegend aufgewachsen bin, nicht seit Kindestagen wild und barfuss über die Alpenwiesen gerannt und gelernt habe, all dies mitzudenken ? Liegt es daran, dass mich schon die Alten gelehrt haben, dass der Wolf böse ist ? Ich wünsche mir, aber fürchte auch. Als es dämmert, klatsche ich einmal in jede Himmelsrichtung in die Hände, um der Natur sanft aber doch bestimmt zu zeigen, das noch wer da ist. Danach lege ich mich, ausgelaugt vom Tag, auf mein Bett aus Luft, eingepackt in Daunen, lausche noch ein bisschen und bin dankbar, darf ich hier sein.

Die Nacht ist erstickend still. Ich möchte lieber keine Geräusche von mir geben. Wieder schleicht sich Angst in meine Adern. Jedes Knacken, ein möglicher Bär, ein Wolf, ein Luchs. Die Eule schreit im Sturzflug über dem Zelt. Ich schrecke auf, sie schreckt auf, das Tier, das dort unsichtbar im Gebüsch hockt, schreckt auf. Ich lausche still, mein Herz zerschellt, die Spannung scharf. Ich husche zögerlich ins Zelt zurück. Der Puls beruhigt sich nur langsam, die sternenklare Nacht hilft und der Jäger, der sachte seine Runde dreht, aber auch er geht wann, und dann, die Stille der Nacht, sie frisst mich auf. Die Zeit nickt mich irgendwann doch ein. Vielleicht diesmal auch mit einer extra Portion Glück in den Velotaschen ?

Wenns dunkel ist und ich höre es rascheln, will ich eigentlich keinen Ton von mir geben, aber in der einkehrenden Dämmerung mache ich doch Lärm. In der Dunkelheit traue ich mich nicht aber beim Eindunkeln tue ich alles um mich bemerkbar zu machen.

Mein Innerstes sagt mir “sei still und hinterlass keine Spur” !

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